Lebensläufe muss man leben und nicht planen – Erfahrungen eines Junior Entrepreneurs

Lohnt sich das denn?

Studentische Beratungen, Junior Enterprises – Hinter dem Namen steckt viel, vor allem der Wille mehr (aus dem Studium) zu machen. Das trifft im Freundes- und Familienkreis oft auf Unverständnis. Es wird die Frage gestellt: „Lohnt sich das denn?“

Kurz gesagt, ja. Bei vielen Personen war rückblickend nichts so karrierefördernd wie ihr Engagement in der studentischen Beratung. Ob dies am Format der JE liegt oder am Engagement der Leute lässt sich nicht sagen. Bei BCPro aus Berlin liegt es sicher an Beidem. Jeder und Jede kann sich selbst aussuchen, ob und wie viel Verantwortung man im Verein übernehmen will. Egal für was man sich auch entscheidet, Beständigkeit zahlt sich meist aus. Als alter Hase habe ich inzwischen in unterschiedliche Positionen hineingeschnuppert und viele Kontakte geknüpft, sowohl innerhalb von BCPro, über die deutschen und europäischen Dachverbände sowie mit Unternehmen.

Die „Macht“ über den eigenen Lebenslauf

Ob sich etwas lohnt lässt sich in vielen Dimensionen bewerten. In diesem Artikel soll es die Dimension „Freiheit“ sein. Die Frage „Lohnt sich das denn?“ könnte etwas ausformuliert lauten „Hat dir deine JE-Aktivität auf effiziente Weise mehr Freiheit ermöglicht?“

Auch hier ist die Antwort: Ja. Durch den Austausch im Netzwerk werden Scheuklappen abgenommen. Beispielweise lernte ich als Biotechnologiestudent die Beratungsbranche überhaupt erst kennen. Auch, dass es ebenso viele studentische BeraterInnen gibt, die vieles werden wollen, aber keine BeraterInnen. Die Diversität liefert Vorbilder und zeigt einen bunten Blumenstrauß an Möglichkeiten auf.

Den Karriere-Boost, den die JE-Aktivität mit sich bringt, spiegelt sich in der Freiheit als BewerberIn wieder. Man bekommt die Wahl. Wie es bei Spiderman (der selbst ein großer Netzwerker ist) schon heißt: „Aus großer Macht folgt große Verantwortung.“ Mit der erreichten „Macht“ über den eigenen Lebenslauf kommt die Verantwortung. Wenn du alles machen kannst, was tust du dann?

Auch im Studium kann man üben mit dieser Verantwortung umzugehen und seine Freiheit ausspielen. Was bedeutet schon der vorgeschriebene Stundenplan? Findet und belegt eure Lieblingskurse, egal ob die in eurem Studium vorgesehen sind oder nicht. Selbstständig sein und bewusst Entscheidungen treffen – denn man studiert und arbeitet vor allem für sich selbst. Mir hat das vor allem dabei geholfen, mich während und nach meinem Master in Biotechnologie noch mal ganz neu zu orientieren. Ich habe letztes Jahr begonnen diverse Kurse von Innovation Management über Produktionstechnik bis zu klassischer BWL zu belegen. Indem ich mir die Freiheit nehme einfach Kurse zu machen die mich richtig interessieren, habe ich nebenbei bald meinen zweiten Master zusammen.

Die Freiheit nutzen

Die Freiheit im Studium, und insbesondere die Freizeit, lassen sich auch für die JE-Arbeit nutzen. Mich selbst motivierte die Lernkurve durch den Kontakt und die Schulungen, ohne dass ich vorhatte je ein Projekt zu machen. Parallel zur Masterarbeit ergab es sich dann anders und ich startete mit zwei Kollegen ein größeres Projekt mit dem Schwerpunkt Prozessmanagement, welches mich nach Abgabe der Masterarbeit und bis heute begleitet. Ohne JE wäre das nicht so gekommen. Zum einen natürlich aufgrund der JE als Lernort und Vermittler, zum Anderen aber auch durch mich selbst. Erst durch den aufgezeigten Blumenstrauß war mir die Möglichkeit präsent, meine Freiheit zu nutzen und etwas Eigenes zu starten. Das begeistert mich bis heute.

Als Nicht-BWLer muss ich gestehen, nach mehreren frustrierten Wochenendschichten viel der organisatorischen Arbeit an einen Steuerberater abgegeben zu haben. Man muss nicht alles allein machen. Es ist legitim sich auf seine Stärken zu besinnen und die wertvoll gewordene Zeit effektiv zu nutzten. Sich selbst zu kennen ist auch eine Form von Freiheit. Ich bin gespannt was die nächsten Schritte sein werden und weiß, dass die Mitglieder meiner JE mir auch dabei stets mit Rat und Tat zu Seite stehen werden.

Die Spielwiese JE hat mir erlaubt, die eigenen Präferenzen auszuloten und mir die Frage zu beantworten „Was will ich?“, ganz bewusst.

 


Vinzenz Abt hat Biotechnologie in Berlin studiert und ist seit 2017 Mitglied bei der Studentischen Beratung BCPro e.V. in Berlin. Zusätzlich engagiert er sich als Auditor für den BDSU e.V. und hat sich in diesem Jahr als Unternehmensberater selbstständig gemacht.