Schneller in den ersten Job dank JE-Engagement? – Jein…

Schneller in den ersten Job dank JE-Engagement? – Jein…

Ich weiß nicht wie du dich so fühlst, aber als es bei uns im Jahr 2008 um das Thema Berufseinstieg ging, schätzte ich mich persönlich, im Gegensatz zu anderen Kommilitonen, die nicht in einer JE aktiv waren, als weniger gestresst ein.

„Woher nimmst du nur das Selbstbewusstsein und deine nicht endende Positivität, Natalia?“ – „Nun, ja, zum einen ist das sicherlich eine Charakter- und Erziehungsfrage. Zum anderen habe ich eine Menge in der hannoverschen JE Janus Consultants e.V. gelernt.“

In 95% der Fälle schaute ich nach dieser Antwort in verdutze Gesichter… Dies und die innere Unsicherheit meiner Studienkollegen ging mir irgendwann dermaßen auf den Senkel, dass ich beschloss etwas dagegen zu tun. Wie wäre es zum Beispiel mit einer Doktorarbeit zum Thema JEs, um Leuten das massive Potenzial von JEs aufzuzeigen? Fach: Sozialwissenschaften/Soziologie. Ziel: Doktorin der Philosophie. Gesagt, getan.

Thematischer Hintergrund

Meine Euphorie wurde jedoch schnell gebremst. Leider herrschen heute weder im deutschen, noch im angelsächsischen Raum genügend fundierte wissenschaftliche Studien zu JEs und zu extracurricularen Aktivitäten vor. Weshalb? Angeblich aufgrund veralteter Annahmen zu jenem Konzept und grundsätzlichen Zweifeln bezüglich seines Werts im formalen, akademischen Lernen. Wie frustrierend! Das erklärt aber eine Menge.

Ich entschloss mich deswegen dazu mit dem Material zu arbeiten, was ich fand (primär: Artikel, eine Hand voll Bücher und Internetseiten), und Experteninterviews mit Vertretern aus dem Hochschulwesen und der Privatwirtschaft zu führen. Eingebettet habe ich das Ganze in einen semi-eleganten Mix aus den Themen Bologna-Reform, Schlüsselkompetenzen, der Rolle von Praxiserfahrung an deutschen Hochschulen, Absolventenstudien der letzten 45 Jahre und diversen Arbeitsmarkttheorien.

Ausgewählte Ergebnisse

Zu welchem Ergebnis kommt meine Studie? Die Resultate sind ernüchternder als die in den o.g. genannten Quellen angepriesenen Vorteile von JEs. Hier eine Hand voll ausgesuchter Ergebnisse meiner Arbeit:

  1. Auf dem heutigen (Akademiker-)Arbeitsmarkt müssen Individuen eine Art und Weise finden, wie sie aus der Masse herausstechen und auf sich aufmerksam machen. Extracurriculare Aktivitäten wie das Engagement in einer JE sind eine– von vielen interessanten Möglichkeiten – dies zu tun.
  2. Das Aktivsein als Juniorberater ermöglicht Studenten unterschiedliche Industrien, Tätigkeitsfelder und Firmen zu testen – von KMUs bis zu internationalen Konzernen – um herauszufinden was ihnen Freude bereitet und was sie beruflich machen möchten. Die Mitgliedschaft in einer JE reicht dazu allerdings nicht aus, externe Projekte bieten die primäre Basis dazu.
  3. JEs ermöglichen Studenten die gelernte Theorie in der Praxis anzuwenden und während des Studiums zusätzliche, praktische Erfahrungen zu sammeln. Darüber hinaus werden verschiedene Soft und Hard Skills trainiert und angewendet – sowohl innerhalb vereinsinterner Strukturen und Prozesseals auch auf externen Beratungs-Projekten.
  4. Das Nutzen von sozialen Netzwerken kann das Finden eines Jobs bzw. Mitarbeiters erleichtern. Informationen fließen auf diesem Wege schneller als auf formalen Kommunikationswegen. Viele Firmen arbeiten mit JEs, um frühzeitig gute zukünftige Mitarbeiter zu finden.
  5. Das soziale Netzwerk von JEs scheint im Moment jedoch nicht effektiv genutzt zu werden bzw. aufgebaut zu sein. Potenzielle Chancen, die aus Kollaborationen und Projekten resultieren, werden offenbar u.a. aus Mismatch-Gründen nicht genutzt.

Wie lösen wir das Problem?

Genügend problematisiert. Ich hätte da ein paar pragmatische Ideen, so dass Studenten noch mehr aus ihrem JE-Engagement machen könnten:

  1. Eine sorgfältigere Auswahl von Kooperationspartnern und Kunden. JEs könnten gezielter potenzielle Kunden und Kuratoren ansprechen, bei denen ihre Mitglieder nach dem Studium eingestellt werden möchten und Unternehmen, die auch Bedarf an solchen Absolventen/Fächern haben.
  2. Eine engere Zusammenarbeit mit der Hochschule, an der die JE angesiedelt ist, so dass (fast) jeder Dozent das Konzept JE kennt, verstehtund idealerweise auf seine Art und Weise unterstützt (z.B. in Form von Praktika, Praxisphasen, dem Anrechnen von Kreditpunkten).
  3. Das Brechen des falschen Glaubenssatzes „Kontakte nutzen, um einen Job zu finden, macht man als anständiger und qualifizierter Mensch nicht“[1] unter JE-Mitgliedern und das Aufzeigen der Macht von sozialen Netzwerken, z.B. in Form eines Workshops mit dem Titel „Nutze dein Netzwerk! Traumjob finden ohne Bewerbungen zu schreiben“.
  4. Mehr wissenschaftliche Arbeiten zu diesem Thema. Es liegt an uns den Status Quo zu verändern. JEs sind ein spannendes Thema, dem nach wie vor wissenschaftlich nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt wird.
  5. „Viraler Content“ und/oder Kampagnen auf Social Media. Wir haben das Knowhow, Netzwerk und den Mindset, um die Welt auf uns aufmerksam zu machen. Warum nutzen wir dies nicht mehr? Stelle dir mal vor, dass 2200 Leute denselben Hashtag benutzen und zu einem definierten Zeitpunkt ein Video zum Thema JEs/Berufseinstieg hochladen… das könnte einschlagen wie eine Bombe!

Ein paar letzte Gedanken

Was ich nun persönlich mit diesem Wissen tue? Ich habe mich letzten Endes gegen eine Karriere in der Hochschullandschaft entschieden. Auch die Rolle des Arbeitnehmers stand mir nicht gut. Und das Thema soziale Netzwerke und Selbstpräsentation fand ich derart spannend, dass ich mir meinen eigenen Beruf daraus gebastelt habe.

Als Keynote Speaker und Personal Branding Strategin bringe ich Menschen heute bei, wie man sich – insbesondere auf LinkedIn– vermarket, um aus der grauen Masse herauszustechen und sein Traumleben und seine Traumkarriere zu verwirklichen.

Übrigens, wenn du genauer in meine Studie hineinschauen möchtest, dann lade sie hier runter.

 

Dr. Natalia Wiechowski hat Sozialwissenschaften an der Leibniz Universität in Hannover studiert und war bei unserer Mitgliedsinitiative Janus Consultants e.V. aktiv. Mittlerweile lebt sie in Dubai und arbeitet als Personal Branding Strategistin und internationale Keynote-Speakerin. Sie folgt ihrer Leidenschaft: Lehren der Menschen, wie sie sich selbst vermarkten. 

 


Referenzen

Du Maire, Pierre. 2014. Empirische Analyse von Erfolgsfaktoren studentischer Unternehmensberatungen(1. Aufl.). O.O.: EHV Academicpress.

Hohensee, Thorsten. 1999. Studentische Unternehmensberatungen. Empirische Erhebung zur Rolle und zu den Potentialen studentischer Unternehmensberatungen in der Bundesrepublik Deutschland.Diplomarbeit am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der FHTW Berlin im Jahr 1999. Berlin.

Pittaway, Luke, Jim Gazzard, Adam Shore und Tom Williamson. 2012. Entrepreneurial learning through experience: The hidden role of student clubs in management education. Working Paper 03/2012. http://eagleentrepreneur.files.wordpress.com/2012/01/entrepreneurial_learning_through_experience_v1-3111.pdf

Pittaway, Luke, Elena Rodriguez-Falcon, Olaojo Aiyegbayo und Amanda King. 2011. The role of entrepreneurship clubs and societies in entrepreneurial learning. International small business journal1: 37-58.

Uebe-Emden, Nadine, und Michael Schuhen.2007. Junior Enterprises as an innovative way for learning entrepreneurship – the German national confederation BDSU as an example of entrepreneurial spirit. Paper presented at the Intent 2007, Gdansk, Poland.

 

[1] Ich lebe seit 10 Jahren in den Vereinigten Arabischen Emiraten und arbeite viel mit US-Amerikanern zusammen. Der soeben genannte Glaubenssatz scheint – ich formuliere es einmal vorsichtig – häufiger unter deutschen (Jung-)Akademikern verbreitet zu sein.