Über den Tellerrand geschaut: Lumnus Consult, San Diego

Die studentische Unternehmensberatung ist in Deutschland zwischenzeitlich ein in der Studentenszene gut bekanntes Konzept. Doch nicht nur in Deutschland, sondern in der gesamten Welt wächst das Netzwerk an Beratungen und Initiativen. Um die Vielfalt und Vielschichtigkeit unseres weltweiten Netzwerks zu zeigen, wollen wir heute eine davon vorstellen: Lumnus Consult, San Diego (USA). Zu diesem Zweck haben wir ein Interview mit Mitchell Gault, dem 1. Vorsitzenden von Lumnus Consult geführt.

Phillipp (BDSU): Zur Einführung wäre es super, wenn du einmal etwas zu Lumnus selbst und der Geschichte erzählen könntest?

Mitchell (Lumnus): Lumnus wurde 2016 von Studenten der University of California, San Diego gegründet. Wir gehen somit in unser 4. Jahr als Initiative. Aktuell sind wir 29 Consultants und im Dezember kommen 16 neue Anwärter dazu.

Wen es genauer interessiert, der kann eine genaue Aufstellung unseres Portfolios auf unserer Website finden. Im Generellen arbeiten wir viel im Research, Business Development und in der Strategieerstellung, aber auch im Software Development. Unsere Kunden sind dabei meist Start Ups- aus der Region.

Aktuell versuchen wir, das Thema Data Science für uns als zusätzliches Geschäftsfeld zu erschließen und unseren Kunden bis zum nächsten Jahr Möglichkeiten zur Zusammenarbeit in diesem Bereich zu bieten.

Phillipp (BDSU): Ihr seid verglichen mit den meisten studentischen Beratungen in Europa und Deutschland ziemlich jung. Was seht ihr aktuell als eure größten Herausforderungen?

Mitchell (Lumnus): Meiner Meinung nach ist Lumnus bis heute ein Start Up und fühlt sich auch so an. Wir entwickeln und verändern uns stetig. Gerade durch das junge Alter können wir uns stetig neuen Möglichkeiten anpassen.

Eine der größeren Herausforderungen ist die Wissenskonservierung. Jedes Mal, wenn ein Mitglied seinen Abschluss macht und uns verlässt, verlässt uns ein Stück Wissen und Erfahrung, von dem jüngere Consultants lernen können.

Des Weiteren befassen wir uns aktuell viel damit, die Unterstützung der Universität für uns zu gewinnen. Wir sind zwar als offizielle Initiative der Uni anerkannt, wollen uns aber noch weiter an der Uni festsetzen, um beispielsweise Räume und die Unterstützung der Professoren zu bekommen.

Phillipp (BDSU): Erzähl uns doch mal etwas zu euren Projekten, was etwa das spannendste Projekt bisher?

Mitchell (Lumnus): Ich bin vielleicht voreingenommen, doch das für mich aufregendste Projekt war mit MedCrypt. Das Unternehmen bietet IT-Sicherheitslösungen für medizinische Geräte. Das Unternehmen unterstützten wir bei der Erstellung einer Zielgruppenanalyse und bei der Ausarbeitung der Anforderungen der Federal Drug Administration. Dabei bestand die größte Herausforderung, in den Anforderungen der FDA, die teils stundenlange Vorbereitung und Dokumentationen erfordern.

Eine weitere Herausforderung war der komplett neue Markteintritt, bei den Produkten handelt es sich teils um völlig neue Nischenprodukte. Daher mussten wir vieles im Research-Bereich selber zusammenstellen und eigene Quellen finden.

Zum Teil auch durch unsere Arbeit gelang es übrigens MedCrypt im Mai 2019, eine Seed A-Finanzierung von 3,5 Millionen USD einzusammeln.

 

Phillipp (BDSU): Fallen dir Punkte ein, wo du sagen würdest, dass sich dort die JE-Szene in den USA und Deutschland wesentlich unterscheiden?

Mitchell (Lumnus): Auch wenn ich nicht sicher bin, so denke ich, dass sich die Netzwerke aktuell noch in den gebotenen Möglichkeiten. So gibt es aktuell noch keine zentrale Trainingsakademie. Wir entwickeln unser Trainingssystem natürlich beständig weiter, doch noch ist es sehr lokal basiert.

Phillipp (BDSU): Wie wird das Thema studentische Unternehmensberatung bei euch aufgenommen, insbesondere bei Menschen in Kalifornien?

Mitchell (Lumnus): Bisher ist das Konzept noch recht unbekannt, wenn die Menschen es aberkennen, so ist das Feedback durchgehend extrem positiv. Studenten kommen zu uns am ehesten wegen des potenziellen Netzwerks. Kunden sind tatsächlich begeistert, wenn sie dann auch sehen, dass wir ein Teil des internationalen Netzwerks sind, was weltweit Wissen und tatkräftige Unterstützung für uns bereithält.

Darüber hinaus, ist es auch gerade im Verkaufsprozess hilfreich, wenn man Beispielprojekte von anderen Initiativen zeigen kann und der Kunde weiß, dass man im Zweifelsfall auf deren Erfahrungen zurückgreifen kann.

Die große Herausforderung besteht also im Bekanntmachen der Idee.

Phillipp (BDSU): Was denkst du, wie die Zukunft der studentischen Beratungen im Mutterland der Business Schools aussehen wird? Und wo wird es Lumnus dabei hinführen?

Mitchell (Lumnus): Meiner Ansicht nach gibt es ein riesiges Potenzial für das Thema, um in den USA zu wachsen. Ich denke darüber hinaus wird es irgendwann auch dazu kommen, dass die Business Schools uns tiefer in ihr Selbstverständnis aufnehmen werden.

Bis dahin werden wir selbstverwaltete Initiativen bleiben, die unabhängig von ihren Universitäten bleiben.

Auch für Lumnus wird es weiter nach vorne gehen. Wir werden weiterwachsen und uns entwickeln, und eines Tages verfügen wir dann über ebenso viel Erfahrung wie die deutschen Junior Enterprises.