Inspiration Japan – Warum wir von einem Auslandsaufenthalt nicht nur beruflich profitieren können

Vorab als Orientierung für euch: Dieser Artikel wird weder eine Erklärung enthalten, warum ein Auslandsaufenthalt aus karrieretechnischer Sicht gut für den Lebenslauf ist, noch eine Checkliste für dessen Organisation. Stattdessen möchte ich mit euch ausgewählte Auslandserlebnisse teilen, die mir wichtige Erkenntnisse verschafft haben – ggf. ergibt sich hieraus sogar eine Blog-Serie.

In wenigen Monaten Aufenthalt in Japan konnte ich mehr über mich lernen und Antworten auf (un-) bewusste Fragen erhalten, als Jahre zuvor. Gegebenenfalls könnt ihr die folgenden zwei Einblicke auf eure eigenen Auslandserfahrungen übertragen, egal ob diese noch vor oder schon hinter euch liegen.

 

  1. Ungewöhnliche Nachbarn

Fakt ist, im Ausland schließt man jede Menge neue Bekanntschaften. Sehen wir von anderen deutschen Studierenden und Touristen ab, welche man wirklich überall trifft, lernt man viele Menschen aus anderen Gastländern und Einheimische kennen. Das wohl ungewöhnlichste Treffen hatte ich mit einem Bewohner der Präfektur Kagoshima auf Kyūshū (Japan). Er war weit über die Grenzen hinaus bekannt und viele freuten sich darauf in zu sehen. Nicht selbstverständlich, da er potenziell gefährlich ist und jederzeit explodieren könnte. Die Rede ist von Sakurajima, einem der aktivsten Vulkane Japans mit kontinuierlicher vulkanischer Aktivität. Warum ich einen Vulkan als Person beschreibe? Ganz einfach, weil er fast wie ein guter Freund behandelt wird. Kinder zeichnen ihn mit lächelndem Gesicht und auch Erwachsene freuen sich, ihn bei wolkenlosem Himmel zu sehen. Man akzeptiert ihn als das, was er ist, ohne sich trotz seiner natürlichen Schönheit Illusionen über die Gefahr zu machen, in der man sich in seiner Nähe befindet. Ein Zusammenleben, wie es in Deutschland wohl nicht selbstverständlich wäre. Hierzulande würde man vermutlich eine Sperrzone errichten und einen hohen Bogen um den Berg machen, statt in seine Nachbarschaft zu leben.

 

 

Was habe ich aus meinem Treffen mitgenommen?

Manchmal können wir das Gegebene nicht ändern, aber unseren Umgang damit. Zudem sollten wir uns nicht immer darum sorgen, was passieren könnte, sondern den Augenblick genießen.

Was habt ihr für ungewöhnliche Bekanntschaften im Ausland gemacht?

 

  1. Extrem

Was haben außergewöhnliche Wetterphänomene und eine ungewöhnlich hohe Anzahl an unerledigten Arbeitspaketen vor einer Deadline gemeinsam? Beides sind Extremsituationen, welche bei uns Stress und Angst auslösen. Ein entscheidender Unterschied ist hier jedoch, dass wir (v.a. als geübte studentische Berater*innen) gelernt haben mit letzterem Fall umzugehen.

Was extreme Wetterlagen angeht, sieht es hier schon anders aus. Zumindest bis zum heutigen Zeitpunkt können wir in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern der Welt nicht über regelmäßige Erdbeben, Hurrikans oder Großbrände klagen. Wenn man allerdings wie ich im Sommer in Japan unterwegs ist, hat man es immer wieder mit Taifunen zu tun. Ich hatte auf meinen Reisen schon ein paar erlebt, jedoch nie einen, welcher über etwas stärkeren Wind und Regen hinausging. Vor die Tür zu gehen oder öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen, war demnach nie ein Problem.

Als mir im August 2019 allerdings eine Begegnung mit dem Taifun Krosa bevorstand, bekam ich es mit der Angst zu tun. In der Region, in welcher ich mich aufhielt, sollte in den nächsten Tagen das öffentliche Leben zum Erliegen kommen und möglichst kein Fuß vor die Tür gesetzt werden. Es stellte sich mir die Frage, ob ich dortbleiben und womöglich über Tage in meiner Herberge eingesperrt sein würde oder fliehen sollte. Eine Situation, welche mir in diesem Ausmaß noch nicht bekannt war. Was ich daraus gelernt habe, ist, dass es hier hilft, sich ein paar grundlegende Fragen zu stellen:

  • Geht es meiner Familie bzw. meinen Freunden und mir (abgesehen von der allgemeinen Aufregung) gut?
  • Habe ich genug zu Essen und zu Trinken (tragbar) bei mir?
  • Gibt es die Möglichkeit einen Platz in einer Unterkunft oder in einem öffentlichen Verkehrsmittel zu bekommen?
  • Wen kann ich um Hilfe bitten?

Zu letztgenanntem Punkt kann ich noch verraten, dass mir die unterschiedlichsten Bekannten/Freunde verschiedenste und gegensätzliche Ratschläge gegeben haben. Es lag an mir alle vorhandenen Fakten zu prüfen und mich dafür zu entscheiden, eine Flucht mit dem Zug zu wagen. Ende der Geschichte ist, dass ich in (einigermaßen) sicherer Entfernung eine andere Unterkunft gefunden und dort interessante neue Bekanntschaften gemacht habe.

 

Und die Moral der ganzen Geschichte?

Besinnt euch in Extremsituationen auf das Wesentliche (Leib, Leben und Ladekabel 😉 und gewinnt der Situation etwas Positives ab, auch wenn ´mal etwas Zeit und Geld dabei verloren gehen kann.

Aus welchem einschneidenden Erlebnis habt ihr das Beste im Ausland rausgeholt?

 

Abschließend möchte ich nochmals festhalten, dass sich durch die Distanz, welche man im Ausland zu seinem üblichen Leben aufbaut, eure Sichtweise auf Dinge verändern kann. Für mich selbst heißt dies, dass ich um einiges mutiger und experimentierfreudiger werde. Auch ihr könnt im Ausland einiges ausprobieren:

Ihr wollt zu einem Ort oder einem Event gehen, zu dem keiner außer euch will? Geht einfach! Wahrt ihr noch nie Bergsteigen und wollt alleine auf den Fuji? Tut es! Euch interessieren an eurer Partneruni fachfremde Kurse? Belegt sie! Ihr habt den Drang mitten in der sprichwörtlichen Pampa ein ehrenamtliches Praktikum zu absolvieren? Bewerbt euch!

Am letztgenannten Punkt kann man sehen, dass sich auch Aktivitäten im Ausland die vordergründig nichts mit der Karriereplanung zu tun haben, auch positiv auf diese auswirken können. Ihr könnt euch im Ausland auf eine Art inspirieren lassen, welche euch ein Stückchen mehr zu der Person macht, die ihr sein solltet.

Was habt ihr im Ausland alleine über euch selbst gelernt?

 

 

Tessas Japan Reise-Blog: https://wanderweib.de/

Kontakt zur Autorin:
LinkedIn
Xing